Ritterspiele zu Lichtenau

Vor der spektakulären Kulisse der Festung Lichtenau bezogen wir unser mannstarkes Lager. Da es veranstalterseitig ein paar organisatorische Unklarheiten gab, war der uns zugewiesene Lagerplatz wesentlich kleiner, als im Vorfeld vereinbart. Doch, so jedenfalls meine persönliche Meinung, war dadurch unser Lager schön, wie schon lange nicht mehr: also keine bayerische Reihenhaussiedlung mit Vorgärten, sondern kuschelig eng und etwas „wild“. Und allen Unkenrufen zum Trotz hat auch diese Lageranordnung wunderbar funktioniert. Das Wetter nicht ganz so: obwohl ein paar Regenschauer für Mittwochabend/-nacht angesagt waren, regnete es deutlich mehr, was aber dennoch gut zu ertragen war und die Wolken hielten es kühler, was sehr angenehm war. Zum Abbau am Sonntag schien die Sonne und alles war trocken. Was wollen wir mehr.

Der Donnerstag, Fronleichnam, dümpelte ein bisschen vor sich hin, d.h. für die Größe der Fläche recht wenige Besucher, aber das Fest war auch nur von Mittags bis 20.00 Uhr geöffnet.

Etwas anstrengend war die zweistündige Schlachteinweisung. Es sollten mit ca. 100 Kämpfern aus unterschiedlichen Lagergruppen (Ritter, Landsknechte, Stadtwache), alle BOL-erfahren, Ausschnitte aus dem sog. „Ersten Markgrafenkrieg“ aufgeführt werden, wofür eine vorherige Einweisung in die Choreografie selbstverständlich notwendig ist. Allerdings war es hier etwas viel des Guten. Zu viele Details, die sich niemand merken konnte und später auch nicht mehr wollte und zu wenig klare Anweisungen, wie sich die kämpfenden Einheiten innerhalb der Schlacht verhalten sollten. … Und dennoch hat sich hier einmal mehr bewahrheitet, dass wenn die Generalprobe in die Hose geht, der Auftritt gut gelingt. Ich war wirklich sehr positiv vom Schlachtablauf angetan, und er wurde jeden Tag besser!

Auch der Freitag zog sich ein wenig, aber wir hatten einen Umzug und die erste Schlacht. Hier wäre es vielleicht schöner gewesen, beides nicht unmittelbar hintereinander zu veranstalten, sondern auf zwei, auseinanderliegende Termine zu verteilen. Der Umzug sammelte sich vor dem Turnierplatz und zog einmal durch die Festung und wieder zurück zum Lagerplatz. Die alten Wehrmauern boten hierfür eine beeindruckendes Ambiente. Die Stimmung war gut, Besucher hätten deutlich mehr anwesend sein können.

Besonders hat mir in Lichtenau die Weite der bespielten Fläche gefallen. Eine riesige Wiese, auf der die Lagergruppen unmittelbar vor und mit Dauerblick auf die Festung untergebracht waren. Es hätten noch deutlich mehr Gruppen dort Platz gefunden, was den Gesamteindruck noch einmal gesteigert hätte. Ebenso gab es verschiedene, entweder spontan entstandene oder als kleines Rahmenprogramm geplante, Nebenveranstaltungen, wie den Feldschär, der einen in einer Schlacht Verwundeten behandelte oder das Heraustragen der Fehde von der Aufführung auf dem Turnierplatz in die Lagergruppen, wo es nebst einer kleinen Schlacht, spontan weiter gespielt wurde. Ich denke, Lichtenau hätte das Potenzial, sich zu einem großen und herausragenden Fest zu entwickeln … schauen wir mal, was sich die kommenden Jahre so tut.

Samstag war der bestbesuchte Tag und folglich gab es auch viele Besucher, die sich in unser Lager hinein trauten, Fragen stellten und sich mittelalterliche Dinge erklären ließen. Die Umzüge und Schlachten am Samstag und Sonntag haben großen Spaß gemacht und unsere Köche haben sich von ihrer besten Seite gezeigt, allen voran Gertl, der uns ein Viergängemenü servierte. Also alles in allem ein sehr schönes und rundes Fest!

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