Diesmal war Vieles ein bisschen anders in Schluderns als sonst. Am prominentesten und wohl ursächlichsten dafür war Regen zu nennen. Von den Vereinskollegen, die schon Montag oder Dienstag angereist waren, erhielten die Übrigen die Nachricht, dass wenn sie trocken aufbauen wollten, es sich anböte, schon am Mittwoch oder Donnerstagvormittag anzureisen, da Starkregen ab Donnerstagnachmittag vorausgesagt sei.






Gesagt, getan. Eine Stunde vor Schluderns, gegen 11.00 Uhr, begann der Regen. Es wurde immer dunkler, die Wolken immer dichter. Sie hingen zunehmend tiefer, bis sie kurz vor Schluderns auf den Boden reichten. Wege und Wiese waren bei Ankunft noch befahrbar. Also ganz schnell aufgebaut! Wer schlau war, hatte sein Auto gleich danach auf den Parkplatz gebracht und nicht mehr bewegt. Für viele andere war dann der Bulldog die Rettung aus dem „Schlammmasel“. Da es die Schludernser selbst sind, die dieses Fest organisieren und managen, standen genügend „Rettungsfahrzeuge“ zur Verfügung. Ich habe sechs Bulldogs im Einsatz gezählt. Am Freitagmorgen war eine kurze Regenpause, auf die ein weiterer Regentag folgte. Das Festgelände war für Autos gesperrt und es wurden bis Festbeginn alle verbliebenen Autos vom Platze durch dem Schlamm hinaus gezogen. Alle Hauptwege waren auch zu Fuß mehr oder weniger unbegehbar… das sind die Feste, von denen man noch länger erzählt, die, die den gewöhnlichen Ereignishorizont erweitern.









Aber dieses Wetter hatte den Vorteil, dass die Temperaturen sehr angenehm waren. Alle Zelte hielten dicht, es gab keinen Sturm und die Lagerwiesen haben das Wasser gut drainiert, so dass sie zu jeder Zeit begeh- und bewohnbar waren. Einzig der Lagerumzug am Freitagvormittag wurde abgesagt. Pünktlich zur Schlacht am Abend endete der Regen und es galt die Order: „es wird stehend gestorben, keiner geht zu Boden“. Samstag und Sonntag schien die Sonne, mit und ohne Wolken, also doch noch ein Happy End! Natürlich waren spürbar weniger Besucher vor Ort, für den Veranstalter schade, ich persönlich empfand das als angenehm.














Ansonsten war Schluderns wieder ein Höhepunkt der Festsaison! Der große Markt mit seinem weit gefächerten Angebot an nützlichen, sehr nützlichen und weniger nützlichen Dingen, war ebenso eine Freude, wie die vielen unterschiedlichen Lagergruppen mit ihren vielfältigen Darstellungen: hochmittelalterliche Gruppen, die aussahen, als wären sie mit der Zeitmaschine angereist, ebenso wie ein wilder Wikinger, der am Freitagmorgen in seinen Porsche Cayenne einstieg, ein beeindruckendes Wikingerlanghaus, Landsknechte, die aussahen, als ob sie einer Museumsvitrine entstiegen wären, Römische Legionäre, denen anzusehen war, dass ihnen ihre Schilde viel zu schwer waren, eine mittelalterliche Fechtschule und viele, viele andere Gruppen und Darsteller mehr.











Die allabendlichen Calvenschlachten waren lockerer, weniger chaotisch und nicht so „verbissen“ wie manchmal. Nach der ersten Schlacht am Freitag sogar so locker, dass die Darsteller der „Ritter-Freikampffraktion“ (erstmals) als Gleichgesinnte wahrgenommen wurden, indem sich Ritter und Landsknechte per Umarmung von einander verabschiedeten. Schade, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, wir haben doch alle dasselbe Hobby, wobei die geschichtliche Epoche oder die konkrete Darstellung nebenrangig sind …







Besucher und Darsteller haben den Matsch der Gassen gelassen hingenommen. Am eindrücklichsten tat das ein etwa zweijähriges Mädchen, das in einer großen und tiefen Pfütze innerhalb des Schlammfeldes vor der Hauptbühne saß und einen Riesenspaß damit hatte, darin herumzuspielen, zu erkunden, was am Grunde der Pfütze alles zu finden war … und ihre Eltern ließen sie gewähren. Da kam wirklich ein bisschen „Mittelaltergefühl“ hoch …
